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21.11.2016 | Onlineartikel

Vergleichsstudie bei Hochrisikopatientinnen

Brustkrebs im Frühstadium: Dosisdichte Chemo ohne Vorteil

Autor:
Peter Leiner

Im Vergleich zur adjuvanten Standardchemotherapie bietet bei Frauen mit Hochrisikomammakarzinom im Frühstadium eine dosisdichte Chemotherapie nach der Operation keinen Vorteil. Dagegen sind nicht hämatologische Nebenwirkungen häufiger, wie aus einer internationalen Vergleichsstudie hervorgeht.

In einer Phase-2-Machbarkeitsstudie ist das Konzept der dosisdichten und an Nebenwirkungen angepassten Chemotherapie (tailored) bei Hochrisikopatientinnen mit Brustkrebs erfolgreich getestet worden (Acta Oncol. 2011; 50 (1): 35–41). Auf dieser Grundlage wurde von Onkologen um Professor Theodoros Foukakis und Professor Jonas Bergh von der Karolinska-Universitätsklinik in Stockholm in Schweden, Deutschland und Österreich anschließend die PANTHER-Studie (PAN European Tailored Chemotherapy) mit mehr als 2000 Patientinnen durchgeführt. Sie waren zwischen 18 und 65 Jahre alt und hatten ein histologisch bestätigtes, komplett reseziertes invasives primäres Mammakarzinom. Bei jeder zweiten Patientin war der Tumor zwischen 2 und 5 cm groß. Zwischen 38% und 40% der Frauen hatten mindestens vier positive Lymphknoten.

FEC-Regime für Patientinnen der Kontrollgruppe

Geprüft wurde in der Studie die Wirksamkeit einer adjuvanten Therapie mit Epirubicin plus Cyclophosphamid, gefolgt von Docetaxel. Die Patientinnen der Vergleichsgruppe erhielten die Standardtherapie mit Fluorouracil plus Epirubicin-Cyclosphosphamid (FEC-Regime), ebenfalls gefolgt von Docetaxel. Primärer Endpunkt der Studie war das Überleben ohne Brustkrebsrezidive.
Mindestens einen Chemotherapiezyklus erhielten in der Gruppe mit dosisdichter Behandlung 1001 und in der Kontrollgruppe 999 Patientinnen. 80% waren hormonrezeptorpositiv, und mit 97% hatten fast alle positive Lymphknoten. Die dosisdichte Therapie bestand aus vier Zyklen 38–120 mg/m2 Epirubicin (Startdosis: 90 mg/m2) plus 450–1200 mg/m2 Cyclophosphamid (Startdosis: 600 mg/m2) alle zwei Wochen, danach aus vier Zyklen 60–100 mg/m2 Docetaxel (Startdosis: 75 mg/m2) alle zwei Wochen. In der Kontrollgruppe wurden drei Zyklen Fluorouracil (500 mg/m2), Epirubicin (100 mg/m2) und Cyclophosphamid (500 mg/m2) alle drei Wochen verabreicht und danach drei Zyklen Docetaxel (100 mg/m2) alle drei Wochen. Alle Chemotherapeutika wurden intravenös appliziert. Schließlich wurden Patientinnen mit HER2-positiven Tumoren – 15,9% in der dosisdichten und 18,2% in der Kontrollgruppe – mit Trastuzumab behandelt.

Kein Unterschied beim primären Endpunkt


Wie Foukakis und seine Kollegen berichten, gab es nach einem Follow-up von median 5,3 Jahren beim primären Endpunkt der Studie, dem brustkrebsrezidivfreien Überleben, keinen signifikanten Unterschied zwischen den beiden Studiengruppen (Hazard Ratio [HR]: 0,79; 95%-Konfidenzintervall zwischen 0,61 und 1,01; log-rank-p: 0,06). Nach fünf Jahren lebten in der Verumgruppe noch 88,9% der Teilnehmerinnen rezidivfrei, in der Kontrollgruppe 85%. Auch beim Parameter Gesamtüberleben, einem der sekundären Endpunkte, gab es keinen Unterschied zwischen den Gruppen (HR: 0,77; 95%-Konfidenzintervall zwischen 0,57 und 1,05; p = 0,09). Nach fünf Jahren lebten noch 92,1% bzw. 90,2% der Patientinnen.
Die dosisdichte Behandlungsstrategie rief allerdings bei deutlich mehr Frauen Nebenwirkungen vom Grad 3 oder 4 hervor. Der Anteil lag bei 52,6%. In der Kontrollgruppe waren davon nur 36,6% der Behandelten betroffen. Die häufigsten Nebenwirkungen waren Fatigue, muskuloskelettale Schmerzen und neutropenische Infektionen. Endgültige Bewertungen der Ergebnisse im Zusammenhang mit den sekundären Endpunkten könnten allerdings nicht getroffen werden, da die Aussagekraft der Studie hier unzureichend sei, so die Wissenschaftler. 

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